Nachkriegszeit und Wiederaufbau

In der ersten Sitzung nach Kriegsende wurde als erster Punkt auf der Tagesordnung vermerkt: „Personalveränderung im GKR und Pfarrerkollegium“, Pfarrer Nebel kam zurück in die Gemeinde und bekam den Vorsitz des GKRs. Die Zeit war von der Betreuung armer und ausgebombter Menschen, sowie Beerdigungen geprägt. Neue Pfarrer, wie Winfried Maechler und Ruth Fuchner als erste Frau im Kollegium, wurden eingestellt und Pfarrer Lichtenstein blieb in der Gemeinde.

Die Kirchengemeinde wurde nach dem Krieg jedoch nicht nur von der Epiphaniengemeinde genutzt. Die englische Besatzungsmacht beanspruchte den intakten Gemeindesaal für ihre anglikanischen Gottesdienste. Bis auf einzelne Unstimmigkeiten entstand jedoch ein harmonisches Miteinander. Sogar die Kriegsschäden im Gebäude wurden auf Kosten der Engländer beseitigt und eine zweimanualige Orgel bereitgestellt, welche auch die deutsche Gemeinde nutzen konnte.
Für einen anglikanischen Festgottesdienst wurden sogar Feuerwehrleitern bereitgestellt, um in den Glockenturm zu gelangen. Dort konnte man sich ein Bild vom Zustand des Geläuts machen aufgrund der defekten Mechanik die Glocken manuell, also per an den Klöppeln befestigten Leinen, zum Gottesdienst erklingen lassen.

Anfang der 50er Jahre wurden die englischen Gottesdienste verlegt und das Kirchengebäude stand wieder zur alleinigen Verfügung der Epiphaniengemeinde. Eine Kleinorgel wurde angeschafft, welche sich großer Beliebtheit erfreute.
1957 koppelte sich von der Epiphaniengemeinde eine neue Gemeinde unter dem Namen „Neu-Westend“ ab. Im Volksmund bekam ihr Kirchengebäude später den Namen „Tannenbaumkirche“, was auf architektonische Besonderheiten des Turmbaus zurückzuführen ist.

Insgesamt erstreckte sich der Wideraufbau der Epiphanienkirche über 15 Jahre. Zuerst wurde der Kirchturm aufgebaut und später neue Glocken gegossen.

Am 2. Februar 1958, wurden ihre 4 Glocken eingeweiht.
Die kleine Glocke (Durchmesser 80 cm) trägt die Inschrift: „Haltet an am Gebet.“
Die zweite Glocke (Durchmesser 1,00 m) trägt die Inschrift: „Ich will dich segnen.“
Die dritte Glocke (Durchmesser 1,10 m) trägt die Inschrift: „Lehret alle Völker und taufet sie.“
Die große Glocke (Durchmesser 1,35 m) trägt die Inschrift: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“

Der „Bauverein Epiphanien“ kämpfte unermüdlich um die Finanzierung des Wiederaufbaus.
Konrad Sage und Karl Hebecker entwarfen den Plan des „neuen Gebäudes“, wobei so viel der alten Mauern wie möglich stehen bleiben sollte. Dabei wurde das Raumkonzept ebenfalls geändert. Der Haupteingang wurde aufgrund der Autobahn von der Ost- an die Südseite verlegt, der Altar von Westen nach Norden. Circa 600 Sitzplätze bot die Kirche mit den neuen Bankreihen und aufstellbaren Stühlen.
Die wohl auffälligste Neuerung war das Dach. Eine völlig neuartige Aluminiumkonstruktion, die Fachzeitschriften im In- und Ausland mit Bildern zu finden war, wurde von der Firma „Fritz Scheinecker Aluminiumbau“ gefertigt. 1960, genauer gesagt am 27. März, einem Sonntag Latäre, wurde das neue Gotteshaus eingeweiht.

 

 

Ausschmückungen wie bunte Fenster und Leuchter kamen nun nach und nach hinzu. Das Altarbild wurde von den Professoren Bachmann und Gonda entworfen.

In den 60ern ist besonders die blühende Jugendarbeit zu erwähnen. Nach und nach wuchs die Zahl der kommenden jungen Menschen, die an Freizeiten und gemeindeinternen Veranstaltungen teilnahmen. Über die Zeit entwickelte sich aus diesen Jugendlichen eine kleine feste Gruppe heraus, die zu einem Leitungs- und Koordinationsgremium für die offene Jugendarbeit wurden. Teilweise kamen so viele Jugendliche zu den offenen Abenden mit Tanz, Film und Reden, dass über die Abrechnungen des Getränkeverkaufes an einem Abend 614,10 Mark zusammenkamen.

Weiterhin wurde in dieser Zeit die auch heute noch stehende Orgel geplant und gebaut, angefangen mit ersten Planungen von Kantor Hinz Anfang der 60er Jahre bis hin zu Gottfried Matthaei, welcher das Projekt vorantrieb, bis schließlich am 14. September 1975 die Orgelweihe stattfand. Die zweite Baustufen der Orgel wurde 1995 abgeschlossen.

  

Die ausführliche Geschichte von 1906 bis 1992 finden Sie in unserer Chronik. 

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