Orgel

Die Epiphanien-Orgel

Die Orgel gehört zu den eindrucksvollsten und vielfältigsten Instrumenten. Ein besonderes Exemplar ist die Epiphanien-Orgel, welche sich vor allem durch unzählige Klang­kombinationen und einmalige Register auszeichnet. Programmierbare Jalousie­klappen ermöglichen ein viel präziseres Spiel in Bezug auf die Dynamik und Klangbalance als bei anderen Orgeln.

Die in 2 Baustufen (1975 und 1995) in Zusammenarbeit mit der TU Berlin realisierte Orgel ist bestens für die moderne Literatur geeignet, aber auch die alten Meister können musikalisch stimmig interpretiert werden. Das Instrument, eine „Meisterleistung des Orgelbaus“ (Prof. Heinz Wunderlich in seinem Gutachten), ist in besonderer Weise auf den Raum der Kirche abgestimmt und bietet ein imposantes Bild mit ihren 3518 Pfeifen in allen Größen.

Nach der Einweihung schrieb die Kath. Kirchenzeitung: „... Diese Orgel ist in ihrer Konzeption richtungsweisend und über die Berliner Orgellandschaft hinaus ein Meilenstein, an dem zukünftige Orgelprojekte nicht vorbeikommen“.

Stimmen zur Epiphanien-Orgel

Prof. Heinz Wunderlich: für die zukünftige Entwicklung des Orgelbaues von Bedeutung

[...] hat das Instrument in der Epiphanienkirche einen ganz besonderen Eindruck auf mich gemacht. Mit der sauberen handwerklichen Arbeit, wie der klanglichen Qualität, steht die Firma Mitteldeutscher Orgelbau A. Voigt in der Reihe international renommierter Orgelbauer. Faszinierend ist die Klarheit und Durchhörbarkeit aller Stimmen im polyphonen Spiel. Durch den Einbau von computergesteuerten Schwelltüren in allen Werken, lässt sich die Balance zwischen den Manualen und Pedal auf eine bisher noch bei keiner Orgel erreichten Vollendung herstellen. Beeindruckend ist die Farbigkeit und der singende Klang: Mensurierung und Intonation zeugen von großem Können. Auf der Epiphanien-Orgel gibt es für die Gestaltung aller Stilepochen keine Probleme. Dieses Instrument wird für die zukünftige Entwicklung des Orgelbaues von Bedeutung sein, [...].

Erich Piasetzki: Zur Vollendung gebrachte Vision von Schulze/Kühn

Am 6. Oktober 2002 konnte ich anlässlich meines Orgelkonzertes in der Epiphanienkirche in Berlin-Charlottenburg den vielfach umstrittenen und zum seit einigen Jahren vollendeten Orgelneubau dieser Gemeinde näher kennenzulernen. Selbst für einen durch viele hervorragende Instrumente verwöhnten Konzertorganisten, ist dieses Werk schon etwas Besonderes. Der durchsichtige Plenoklang, die spezifischen Farben der Einzelstimmen und die angenehme und elegante Spielart entsprechen dem inzwischen fast legendären Ruf dieser Orgel. Doch die Einmaligkeit dieses Orgelbaukonzeptes besteht darin, dass es möglich ist, alle vier Werke durch programmierbare Schweller in ihrem Klangvolumen aufeinander abzustimmen bzw. auszubalancieren; dadurch ist der Organist nicht mehr zu Kompromissen zwischen Klangfarbe und Lautstärke gezwungen.

Der Orgelbaufirma A. Voigt, Bad Liebenwerda, gebührt für diese Meisterleistung höchstes Lob. Es war spannend und erlebnisreich zugleich, das sehr farbige Programm auf diesem Instrument Klang werden zu lassen.

Dr. Joachim Sarwas

Ich war als Organist zu Gast bei Ihnen und spielte an Ihrer 1995 fertiggestellten Epiphanien-Orgel ein Konzert. Vom ersten Tastenkontakt an habe ich mich an Ihrer Orgel wohl gefühlt. Am beeindruckendsten war die klangliche Vielfalt des dreimanualigen Instruments: Einerseits besitzt die Epiphanien-Orgel selten disponierte Aliquot-Register, wie z.B. „None 8/9“ oder „Aliquot 16/22“, die die klangliche Palette erweitern, andrerseits können Mixtur-Register sowohl als Gruppenzug wie auch deren Pfeifenreihen in Einzelzügen genutzt werden; zum klanglichen Reichtum tragen ebenfalls die sehr gut intonierten Zungenpfeifen bei. Es bereitet einfach Freude, an der Epiphanien-Orgel die Werke der Orgelliteratur klanglich zu realisieren, da dem registrierenden Interpreten diese Vielfalt an Klangkombinationen zur Verfügung stehen.

Möge das Instrument noch vielen Organisten ebenfalls Freude am Registrieren bereiten.

Uwe Gross

Anlässlich meines Konzertes in der Epiphanienkirche hatte ich Gelegenheit, die nun vollständig ausgebaute Orgel kennen zu lernen.

Auf Grund meines klanglich sehr anspruchsvoll – differenzierten Programmes stand mir in diesem Instrument ein „Partner“ zur Verfügung, der höchsten Ansprüchen genügte. Den Beitrag leistete dafür – neben dem selbstverständlichen, klassischen Aufbau der Prinzipal- und Flötenchöre – ein in sich geschlossenes und durchdachtes Aliquotenensemble, das auch außergewöhnliche Obertonkombinationen beinhaltete. Spielart der Traktur und Anordnung der Registeranlage erwiesen sich als angenehm und übersichtlich.

Man darf dankbar konstatieren, dass es der einsatzfreudigen und kenntnisreichen Initiative des Kollegen G. Matthaei gelungen ist, an dieser Stelle ein Instrument zu erstellen, das den hohen organistischen Anforderungen in Gottesdienst und Konzert gerecht wird.

Felix Hell

Sie ist schon sehr ungewöhnlich: die Orgel der Epiphanienkirche in Berlin. Auf Anhieb fällt die starke Aufspaltung der gemischten Stimmen in kleinere Komplexe und Einzelaliquoten auf, im Pedalwerk sogar vollständig durchgeführt. Auch die große Zahl ungewöhnlich hoher Aliquoten über Quint und Terz hinaus (7.,9.,11.etc. Teilton) fällt aus dem Rahmen. Dieses verbunden mit einem offensichtlich sehr kurvenreichem Mensurenverlauf der einzelnen Pfeifenreihen und der großen Zahl von Rohrwerken hat mich schon bei meinem letzten Zusammentreffen mit der Orgel im Jahre 2004 zu einem Programm ermutigt, bei welchem ich den dadurch erreichten Farbenreichtum in einer Weise nutzten konnte, den ich so nie erwartet hatte. Dass der Stil der Epiphanien-Orgel auch an die Prinzipien der norddeutschen Orgeln anknüpft, mit klarem vierteiligen Werkprinzip, verbunden mit einer vorher so nie gesehenen programmierbaren Schwellbarkeit aller vier Werke, hat die reichen konzertanten Möglichkeiten wunderbar unterstützt. Alles zusammen ein im höchsten Grade charaktervolles Instrument, welches dem konzertierenden Musiker nicht nur keine Beschränkungen auferlegt, sondern ihn sogar ermutigt, Literatur aller Epochen in sein Programm aufzunehmen. So schätze ich mich glücklich, wieder an dieses Instrument zurückkehren zu dürfen.

Felix Hell, Konzertorganist
Baltimore/USA, im April 2006

 

Das Porträt

Kantig zum Erfolg: Gottfried Matthaei und seine Orgel in der Epiphanienkirche Charlottenburg.

In: Musik und Kirche, September/ Oktober 2004, Thema: Perspektiven des Orgelbau

 
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